Worte und Zeichen der Ermutigung

Worte und Zeichen der Ermutigung

Liebe Gemeindemitglieder,

„Dran denken: Wir schaffen es“ – diese Überschrift las ich am Montag auf der Brauschweig-Seite unserer Zeitung. Mein erster Gedanke, bevor ich weiter las: „Das klingt ja fast genau wie das so viel kritisierte 'Wir schaffen das!' von Angela Merkel vor einigen Jahren; wer so etwas schreibt, macht sich angreifbar, muss wahrscheinlich auch mit Widerspruch rechnen". Mein zweiter Gedanke: „JA!“

Es ist gut und es tut gut, wenn wir in diesen Tagen ermutigende Worte lesen und hören. In den all-täglichen Nachrichten über die Coronakrise, über das wachsende Sich-Ausbreiten des Virus und darüber, dass wir erst am Anfang der Pandemie stehen, ist es wichtig, dass es Worte gibt, die Mut machen. Dabei geht es nicht um das Kleinreden der Gefahren und der Schwierigkeiten, der Probleme und Ängste. Es geht schon gar nicht um Leichtsinn oder um ein Nicht-ernst-nehmen der Wirklichkeit.

Aber es geht schon um eine Frage der Sichtweise: Wenn ich nur von Bedrohlichem und von Gefahren höre oder lese, kann es schnell geschehen, dass der Blick durch Angst verengt wird. Es braucht auch Besonnenheit, es braucht Impulse, die Hoffnung wecken und die eine weitere Perspektive schenken. Die gegen die Gefahr lähmender Angst zu verantwortungsbewusstem Verhalten und solidarischem Handeln befreien.

Dass ausschließlich negative Botschaften demotivieren und entmutigen können, drückt für mich auf treffende Weise und auch mit leisem Humor eine kleine Fabel aus, auf die ich vor einigen Jahren einmal gestoßen bin:

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie als Ziel fest, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Am Tag des Wettlaufs versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen. Dann endlich – der Wettlauf begann. Nun war es so, dass kein Frosch im Publikum wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie also „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” oder „Das ist einfach unmöglich!” oder „Das schafft Ihr nie!” Und wirklich schien es, als sollte das Publikum recht behalten, denn nach und nach gaben immer mehr Frösche auf. Die Zuschauer schrien weiter: „Oje, die Armen! Sie werden es nie schaffen!” Und wirklich gaben alle Frösche auf – alle, bis auf einen einzigen, der unverdrossen den steilen Turm hinaufkletterte – und als Einziger das Ziel erreichte. Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert, und alle wollten wissen, wie das möglich war. Endlich näherte sich ihm einer der anderen Teilnehmerfrösche, um zu fragen, wie er das geschafft hätte. Da merkte er erst, dass dieser Frosch taub war!

(Verfasser unbekannt)

Ein Glück für den Sieger des Wettlaufs, dass er all die sprichwörtlichen „Unkenrufe“ nicht hören konnte und so auch nicht von ihnen beeinflusst wurde…

Allerdings – so denke ich mir: Auch der taube Frosch hätte Zeichen der Ermutigung, die es bei sportlichen Wettkämpfen ja auch gibt – wie Klatschen oder Winken mit den Armen – wahrnehmen können. Sie hätten ihn und auch die anderen motivieren und anfeuern können.

Auch in unserem Alltag sind Zeichen der Ermutigung wichtig. Und es ist gut, sie auch wahr zu nehmen, gerade wenn sie klein und einfach sind. Das kann z.B. der Kunde im Supermarkt sein, der mit seinem Einkaufswagen stehen bleibt und mit einem freundlichen Nicken signalisiert: „Gehen Sie erst mal vorbei, ich warte einen Moment“ – Abstand halten als Ausdruck einer freundlichen Aufmerksamkeit. Und es gibt ganz sicher noch viele solcher Zeichen der Ermutigung, die wir auch selber setzen und mit denen wir ein „Wir schaffen es“ mit Leben füllen können.

Ihr Pfarrer Bernward Mnich