Wollen wir nach der Krise wieder so leben wie vorher? 

Wollen wir nach der Krise wieder so leben wie vorher? 

In einem Newsletter des Bistums Hildesheim zitiert Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral des Bischöflichen Generalvikariats Hildesheim, einen Schweizer Pfarrer, der folgendes in sozialen Netzwerken schreibt.

„Langsam zur Normalität zurückkehren.“ Dieser Satz ist in aller Munde.  Aber wollen wir wirklich zur Normalität zurückkehren? Wollen wir nach der Krise wieder so leben wie vorher?  Was, von dem, was jetzt wegfällt, fehlt mir wirklich?  Und was tut mir gut, dass es nicht mehr ist? Was könnten wir in Zukunft weglassen, weil es der Welt als Ganzes und dem Guten Leben für alle nicht dient? Was habe ich in dieser Zeit entdeckt, was ich be-wahren möchte?

Diese Fragen scheinen mir lohnenswert! Sicher, vieles, was diese Zeit der Corona Pandemie mit sich bringt, werde ich sehr gerne wieder hinter mich lassen! Aber die langsamere "Taktzahl" der aktuellen Zeit und den blauen Himmel ohne Flugzeuge und Kondensstreifen werde ich sehr vermissen - um nur mal zwei einfache Beispiel zu nennen. Und es taucht eben die Frage auf: Gibt es etwas, was wir aus dieser Zeit mitnehmen und lernen können und sollten?

Dr. Christian Hennecke verweist in oben genanntem Newsletter noch auf eine Aktion des Bistums Speyer. Dort hat auf der Basis ähnlicher Gedanken  Dr. Peter Hundertmark unter dem Stichwort „Wie wollen wir leben?“ zwölf Anstöße formuliert, deren Betrachtung sich lohnt, bevor wir wieder "in die Normalität" zurück kehren. Er schreibt:
„Träumen, horchen, nachsinnen… braucht Zeit. Die Pandemie bedeutet für sehr viele Menschen eine erzwungene Einschränkung und ungewohnte Verlangsamung: Auch eine Gelegenheit, einige Minuten am Tag, eine halbe Stunde, mehrmals ein paar Minuten… für die Frage zu nutzen, wie wir miteinander leben wollen. Zeit zum Nachsinnen - und um dann darüber zu reden oder davon zu schreiben: denn wenn zwei gemeinsam träumen, ist das schon der Beginn einer neuen Wirklichkeit, und wenn zwei etwas anpacken, wird es andere neugierig machen. Diese „Anstöße“ sollen weitergegeben werden."

Ich gebe diese Anstöße gern an dieser Stelle weiter - näheres dazu unter: https://www.bistum-speyer.de/bildung/spirituelle-bildung/anstoesse/

I: Wie wollen wir künftig Güter produzieren?

II: Wie wollen wir künftig international zusammenarbeiten?

III: Wie wollen wir künftig unsere nahen zwischenmenschlichen Beziehungen gestalten?

IV: Wie wollen wir künftig reisen und Urlaub machen?

V: Welchen Wert wollen wir künftig Mode, Shoppen und Konsum in unserem Leben geben?

VI: Wie wollen wir künftig unsere digitalen Werkzeuge – Suchmaschinen, Algorithmen, Social-Media-Plattformen… gestalten und kontrollieren?

VII: Wie wollen wir künftig handeln, damit Menschen nicht aus ihrer Heimat flüchten müssen?

VIII: Welche Ziele wollen wir uns künftig für unser Lernen setzen?

IX: Wie wollen wir uns künftig ernähren?

X: Wie wollen wir künftig mit Menschen umgehen, die straffällig geworden sind?

XI: Wie wollen wir uns künftig als Menschen selbst verstehen?

XII: Wovon wollen wir uns künftig motivieren lassen?

 

Stefan Hain