Ministrantenwissen – Schritt für Schritt

Ministrantenwissen – Schritt für Schritt

Unter der Rubrik „Ministrantenwissen – Schritt für Schritt“ werden seit Januar 2016 Wissensthemen dargestellt, die nicht nur für unsere Ministranten interessant, sondern für die Ausübung ihres Dienstes von großer Bedeutung sind. Dieses Grundwissen wird überwiegend in den Gruppenstunden vermittelt. Dabei lernen sie die wichtigsten Zeiten und Feste des Kirchenjahres, den Ablauf des Gottesdienstes die unterschiedlichen Riten, Zeichen und Symbole sowie die einzelnen Dienste kennen. Nicht nur diese Rubrik wird ständig erweitert, d. h. es lohnt sich immer mal wieder die Mini-Seiten zu besuchen.

Warum gibt es in der evangelischen Kirche eigentlich keine Messdiener? Gibt es Ausnahmen? Aus der Redaktion (Bernward Medien, Redaktion KirchenZeitung)

Um diese Frage zu beantworten, muss zuerst eine ganz andere Frage gestellt werden: Warum gibt es überhaupt Messdiener in der katholischen Kirche? Das hat mit der historischen Entwicklung des Altardienstes zu tun. Im Mittelalter ordneten mehrere Konzilien an, dass ein Priester den Gottesdienst nicht alleine feiern sollte. Andere Kleriker sollten mit ihm am Altar stehen. Dieses Gebot war immer schwieriger einzuhalten, als ab dem 8. Jahrhundert die tägliche Messfeier üblich wurde. Eine andere Lösung musste gefunden werden.

Damals ging man dazu über, zum Gottesdienst Männer der sogenannten niederen Weihen um den Altar zu sammeln. Das waren vor allem Kandidaten, die sich auf den Priesterberuf vorbereiteten. Eine dieser Weihestufen waren die sogenannten Akolythen. Sie bereiteten den Altar vor und halfen bei der Kommunionspendung.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus der Dienst der Messdiener. Bis in die Neuzeit wurde ihre Aufgabe als Vorbereitung zum Pries­tertum verstanden und war daher nur Jungen und Männern vorbehalten. Zwar übernahmen seit den 1970er Jahren auch zunehmend Mädchen diese Aufgabe am Altar, aber erst 1992 stellte Papst Johannes Paul II. es den Ortsbischöfen frei, auch Mädchen als Messdiener zuzulassen. 

Diese historische Entwicklung erklärt, warum es in der evangelischen Kirche keine Messdiener gibt: Sie sind nicht üblich, weil sie auch in der Vergangenheit nicht für den Altardienst gebraucht wurden. Jeder getaufte Gläubige kann nach einer entsprechenden Ausbildung einem evangelischen Gottesdienst vorstehen. 

Aber in der evangelischen Kirche gibt es mittlerweile Ausnahmen: Die Gemeinde im badischen Steißlingen ist seit zehn Jahren stolz auf ihre Messdienerarbeit. Die Mädchen und Jungen übernehmen etwa Aufgaben im Kindergottesdienst, zünden die Kerzen an, lesen einen Psalm vor oder sprechen ein Gebet. Sie selbst sind zu alt, um einfach nur den Kindergottesdienst mitzufeiern, sie sind aber noch zu jung für den Konfirmandenunterricht. In dieser Phase übernehmen die Kinder erstmals Verantwortung in der Gemeinde.

(Quelle: Bernward Medien, Zeitung, Kerstin Ostendorf)

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