Hunger nach dem, wofür das Brot steht

Hunger nach dem, wofür das Brot steht

Liebe Gemeindemitglieder,

Es ist Mittwoch der Karwoche. Die Mitte einer Karwoche, die in diesem Jahr so ganz anders ist…

Wir können keine Gottesdienste zusammen feiern – auch nicht Morgen am Gründonnerstag. Die Messe vom letzten Abendmahl muss wegen der Coronakrise ausfallen. Die Feier, die uns daran erinnert, dass Jesus Christus seinen Jüngern und auch uns seine bleibende Gegenwart im Zeichen des gebrochenen und geteilten Brotes geschenkt hat, findet nicht statt…

Aber ich frage mich auch: Wie viele werden dieses Feier, diesen besonderen Gottesdienst wirklich vermissen? Ich erinnere mich an die Zeit, als ich Jugendlicher war: Da war die Kirche am Gründonnerstagabend „brechend voll“. Schon seit Jahren ist das nicht mehr so. Und doch bin ich sicher, dass es so viele Menschen gibt, die – gerade in diesen Tagen – Hunger haben!

Hunger nach dem, wofür das Brot steht: Nach dem, was uns wirklich nährt, was uns Kraft gibt und stärkt. Hunger nach einem Menschen, der wie Brot ist – dessen Nähe einfach gut tut und Mut macht. Ob dieser Hunger ein Impuls sein kann, der uns in diesen Kar- und Ostertagen ohne Gottesdienstfeiern Jesus Christus näher bringen kann?

Ich wünsche es mir und Ihnen.

Vielleicht kann uns ein Text des Priesters und Schriftstellers Lothar Zenetti auf Seine Spur bringen und auch schon auf Ostern hinweisen:

 

Ein Mensch wie Brot

Er lehrte uns die Bedeutung und Würde
des einfachen unansehnlichen Lebens
unten am Boden
unter den armen Leuten
säte er ein
seine unbezwingbare Hoffnung

Er kam nicht zu richten sondern aufzurichten
woran ein Mensch nur immer leiden mag
er kam ihn zu heilen

Wo er war
begannen Menschen freier zu atmen
Blinden gingen die Augen auf
Gedemütigte wagten es zum Himmel aufzuschauen
und Gott ihren Vater zu nennen
sie wurden wieder Kinder
neugeboren
er rief sie alle ins Leben

Er stand dafür ein
dass keiner umsonst gelebt
keiner vergebens gerufen hat
dass keiner verschwindet namenlos
im Nirgends und Nie
dass der Letzte noch
heimkehren kann als Sohn

Er wurde eine gute Nachricht
im ganzen Land ein Gebet
ein Weg den man gehen
und ein Licht
das man in Händen halten kann
gegen das Dunkel

Ein Mensch wie Brot
das wie Hoffnung schmeckt
bitter und süß

Ein Wort das sich verschenkt
das sich dahingibt wehrlos
in den tausendstimmigen Tod
an dem wir alle sterben

Ein Wort
dem kein Tod gewachsen ist
das aufersteht und ins Leben ruft
unwiderstehlich
wahrhaftig dieser war Gottes Sohn

Aus: Lothar Zenetti, Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht, Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag 2000, Topos plus Taschenbücher 327

Ihr Pfarrer Bernward Mnich