gekreuzigt, gestorben und begraben…

gekreuzigt, gestorben und begraben…

Liebe Gemeindemitglieder,

gekreuzigt, gestorben und begraben

ganze drei Worte sind es, mit denen im Apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst wird, woran der Karfreitag in ganz besonderer Weise erinnert. Dieser Tag ist geprägt durch das Gedenken an das Leiden und den Tod Jesu – auch wenn die gottesdienstliche Feier vom Leiden und Sterben Christi zu seiner Todesstunde um 15.00 in diesem Jahrausfallen muss.

Normalerweise wird in diesem Gottesdienst die Passion, die Leidensgeschichte nach Johannes vorgelesen; in der Verehrung des Kreuzes richtet sich der Blick auf den, der aus unergründlicher Liebe auf so grausame Weise für uns gestorben ist; und in den großen Fürbitten beten wir zu Gott in den Anliegen der Kirche und dieser Welt.

gekreuzigt, gestorben und begraben

An diesem Karfreitag möchte ich mit Ihnen noch einmal drei Bilder aus dem Kreuzweg des in Braunschweig geborenen und in Bremen und Paris lebenden Künstlers Rainer G. Mordmüller betrachten. – Diese Kreuzwegbilder sind ja zurzeit in der St.-Marien-Kirche in Querum zu sehen. – Vielleicht kann das eine Anregung für ein persönliches Kreuzweggebet zu Hause sein.

 

gekreuzigt…    11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt

Eine Gestalt, zu Boden geworfen worden. Auf den Boden gedrückt. Aufs Kreuz gelegt. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen. Nur der rechte Arm, der Oberkörper und das rechte Bein sind zu sehen. Der rechte Oberarm gepackt und festgehalten von dem Soldaten des Hinrichtungskommandos. Er steht im Dienst der Macht, die sich auch die Macht über Leben und Tod eines Menschen anmaßt. Dabei ist Pontius Pilatus, der Statthalter der römischen Besatzungsmacht im Land, selbst zum Spielball derer geworden, die Jesus aus dem Weg räumen wollen. Sie haben sich durchgesetzt. Haben Pilatus dazu gebracht, das Todesurteil zu verhängen. Der Soldat führt nur einen Befehl aus. Für ihn hat dieser Todgeweihte kein Gesicht, keinen Namen. Höchstens eine Nummer – einer von mehreren, die heute „dran“ sind…

Rechts im Bild eine Leiter mit teils fehlenden oder zerbrochenen Sprossen. Keine Himmelsleiter. Sondern ein Todeswerkzeug. Wahrscheinlich benötigt, um den Querbalken des Kreuzes an dem in den Boden gerammten senkrechten Balken zu befestigen und den Todeskandidaten so ans Kreuz zu hängen.

„Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen.
So kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe.
Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.“ (Mt 27, 31b. 33-34)

Jesus, festgenagelt auf deine Liebe zu den Menschen. Du, Name und Gesicht der Liebe Gottes zu uns Menschen. Du hast  uns bis in den Tod geliebt.

 

gestorben…     12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Das Kreuz ist aufgerichtet. Daran der Gekreuzigte. In der Agonie eines furchtbaren, stundenlangen Todeskampfes. Die Arme ausgebreitet. Zum Himmel ausgestreckt wie die dürren Äste eines abgestorbenen Baumes. Das Gesicht nicht zu erkennen. Grau-schwarz verwischt. Das Dunkel des Todes…

Zu Füßen des Gekreuzigten zwei schemenhafte Gestalten. Sind es die Soldaten, die das Los um seine Kleider werfen? Schlusspunkt der letzten Erniedrigung des Verurteilten, dem man, bevor er sterben muss, auch noch seine Kleider und damit seine Würde nimmt.

Rechts im Bild wahrscheinlich zwei Soldaten. Mit Seilen haben sie das Kreuz hochgezogen und scheinen es jetzt zu halten. Dabei haben sie selbst kaum einen Halt. Sie „hängen in den Seilen“, verstrickt in ein Geschehen, dessen Bedeutung und Tragweite sie nicht einmal erahnen können. Der Rechte hat offenbar gar keinen Standpunkt. Seine Füße sind nicht zu sehen. Die Beine laufen auf einen Punkt zu, der den Boden berührt – wie bei einem Kreisel. Hielte ihn nicht das Seil, würde er stürzen…

„Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.
Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land.
Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija.
Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken.
Die anderen aber sagten: Lass doch, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft.
Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.“ (Mt 27, 35. 45b – 50)

Jesus, festgenagelt auf deine Haltung der offenen Arme. Festgehalten vom Kreuz. Kein Entkommen. Kein Entrinnen. Ausweglosigkeit. Verlassenheit. Gottverlassenheit. Die Nacht des Todes. Und das alles für uns. Damit wir an dir, an deiner Liebe Halt finden können.

 

begraben…     14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

 

Nur angedeutet der Eingang zu einer Grabkammer, einer Grabhöhle. Eine schwere Steinplatte scheint darauf zu liegen. Eine Gestalt lehnt sich dagegen. Oder hat sie gerade den Stein, der das Grab verschließen soll, an seinen Platz geschoben?

Der Leichnam Jesu ist nicht zu sehen. Letzte Konsequenz des furchtbaren Geschehens. Er ist gestorben. Er ist tot. Er ist den seinen genommen. Nur noch das Grab und die Leere darum.

Alle Hoffnungen begraben.

 

„Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu.
Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen.
Josef nahm ihn und hüllte ihn in ein reines Leinentuch.
Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg.“ (Mt 27, 57-60)

Jesus, für uns gestorben. Für uns ins Grab gelegt. Wie ein Weizenkorn, das in die Erde gesät wird. Du hast gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12, 24)

Ewiger Gott,
du hast einen Menschen,
Jesus von Nazareth, unseren Bruder,
bekleidet mit deinem eigenen Namen
und deiner Macht –
er aber war machtlos
in dieser Welt.


Du hast ihm das Recht gegeben zu sprechen;
Dein Wort ist er –
Aber er fand kein Gehör.
 

Wir bitten dich,
lass uns in ihm,
in diesem Mann der Schmerzen,
unseren einzigen Retter erkennen.
Gott mit uns
Alle Tage dieses Lebens.        (Huub Oosterhuis)

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Karfreitag.

Ihr Pfarrer Bernward Mnich