Bach Motetten - Konzert des Vocalensembles St. Marien

Bach Motetten - Konzert des Vocalensembles St. Marien

Die Motetten von Johann Sebastian Bach

Zu Bachs Leipziger Zeiten hatte die Gattung Motette ihre Blütezeit bereits überschritten, die bedeutendere Gattung war nun die Kantate, die als Neuerung gegenüber der Motette nicht nur eine satztechnische Trennung von Vokal- und Instrumentalstimmen beinhaltet, sondern neben Chorsätzen auch genuin solistische Sätze wie Arien und Rezitative. Während die regelmäßige Komposition von Kantaten zu Bachs vertraglich geregelten Arbeiten gehörte, war die Uraufführung neu komponierter Motetten im Gottesdienstalltag der St.-Thomas-Kirche nicht vorgesehen, hier hatte Bach auf die Werke früherer Komponisten zurückzugreifen.

Entsprechend gering nimmt sich die Motette im Bachschen Chorwerk aus: Knapp 200 Kirchenkantaten und vermutlich fünf Passionsvertonungen steht nur eine geringe Anzahl von Motetten gegenüber, wobei es keine verlässliche Angaben darüber gibt, wie viele Motetten Bach wirklich hinterlassen hat, geschweige denn eine Liste der Titel. Derzeit sind nur fünf Motetten unstrittig als Werke von Johann Sebastian Bach anerkannt, dies sind die vier heute aufgeführten sowie die Motette „Jesu, meine Freude“, BWV 227. Hinzu kommen drei weitere Motetten, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der Feder Bachs stammen.

Sehr dünn ist auch die Quellenlage über Zeit und Anlass der Entstehung von Bachs Motetten. Nur in einem Fall ist beides unstrittig: „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf erklang erstmals am 20. Oktober 1729 in der Paulinerkirche Leipzig bei den Trauerfeierlichkeiten für den langjährigen Universitätsprofessor und Thomasschulrektor Johann Heinrich Ernesti. Den nahenden Tod vor Augen hatte dieser selbst noch die Musik für seine Trauerfeier in Auftrag gegeben und den Text dafür ausgewählt.

Bei „Komm, Jesu, komm“ griff Bach auf den Text einer älteren Begräbnis­musik zurück, weshalb auch diese als Trauermotette anzusehen ist. Bei „Fürchte dich nicht“ ist aufgrund des vertonten Textes ebenso davon auszugehen, dass auch dieses Werk für Begräbnis- oder Gedenkfeierlich­keiten entstanden ist. Nur für „Singet dem Herrn ein neues Lied“ - aufgrund des Textes und des freudig-virtuosen Charakters der Rahmensätze vermutlich eher keine Trauermotette - existiert bislang nicht einmal eine brauchbare These über den Anlass zur Entstehung des Werkes.

Während die - heute eigentlich bekannteren - Oratorien und Kantaten nach Bachs Tod für fast 80 Jahre in Vergessenheit gerieten, sind die Motetten jedoch ununterbrochen Teil der deutschen Chortradition geblieben - zuerst natürlich bei den Leipziger Thomanern, seit 1794 auch bei der Berliner Chorakademie und anderen Chören. Als Wolfgang Amadeus Mozart 1789 Leipzig besuchte, führten für ihn die Thomaner die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ auf - Mozart war begeistert, lieh sich von den Sängern einen Satz Chorstimmen und begann noch in der Kirche mit deren Studium. Er ließ dann eine Partiturabschrift erstellen, die bis heute im Archiv der Musikfreunde Wien erhalten ist.

 

Ausführende

Vokalensemble St. Marien Braunschweig

Chor I

Sopran:   Martina Bockhold, Diana Kager, Sabine Stelter

Alt:         Elke Jöchner, Anika Krüger, Stefanie Westenberger

Tenor:     Matthias Gey, Roland Kossel

Bass:     Christian Koch, Dietmar Stelter

 

Chor II

 

Sopran:   Kathleen Greger, Catrin Kademann, Ute Wiehe

Alt:         Bärbel Friedrich, Gabriele Ruppelt, Carolin Trispel

Tenor:     Carsten Böger, Sebastian Werner

Bass:     Ingo Eilers, Bernward Mnich

 

Kammerorchester

Harm Pralle, Christiane Schmidt-Violine
Volker Kempf - Viola
Friederike Stein' - Violoncello
Benjamin Thoms, Maria Thoms - Oboe
Susanne Dedie - Englischhorn
Philipp Thoms - Fagott
Zsolt Tomcsänyi - Kontrabass
Carmen Winkler - Orgel-Continuo
Andreas Pasemann - Große Orgel
Leitung: Andreas Kling