​​​​​​​„Immer schön Zuhause bleiben!! PS: bitte bleibt gesund!!!“

​​​​​​​„Immer schön Zuhause bleiben!! PS: bitte bleibt gesund!!!“

Liebe Gemeindemitglieder,

am vergangenen Sonntag habe ich abends noch einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft gemacht. In einer gepflasterten Seitenstraße hier in Querum blieb ich plötzlich stehen. Deutlich war zu sehen: Hier hatten Kinder mit Straßenmalkreide gespielt und die Straße verziert. Da waren zwei mehr oder weniger parallel verlaufene Linien, die wie ein kurviger Weg aussahen – vielleicht waren die Kinder darauf spielerisch entlang gelaufen oder hatten ihn mit Spielautos befahren. Ein Kind hatte seinen Namen auf die Straße geschrieben: „Ich bin Finn“... Einige Schritte weiter las ich zu meiner Überraschung etwas, was ich spontan mit meinem Handy fotografiert habe: 

          

„Immer schön Zuhause bleiben!! PS: bitte bleibt gesund!!!“

Wahrscheinlich hat das kein spielendes Kind auf die Straße geschrieben (welches Kind würde schon ein „PS“ verwenden?), sondern eher seine Mutter oder sein Vater; möglicherweise auch eine ältere Schwester oder ein älterer Bruder.

Aber das ist eigentlich auch egal. Mich haben diese Worte auf der Straße berührt. Eine freundliche Erinnerung an das, was zurzeit so wichtig und notwendig ist und dazu ein gut gemeinter Wunsch.

Erst als ich mir ich Hause mein Foto anschaute, sah ich: Der Schatten, den ich im Licht der Straßenlaterne geworfen hatte, war deutlich zu erkennen, obwohl das Handy geblitzt hatte. „Nicht gerade ein Kunstwerk“ – dachte ich. Aber dann kam mir das Bild gerade so wie ein Symbol für unsere augenblickliche Situation vor: Es hat sich ein Schatten über uns gelegt – die gefährliche Corona-Pandemie. Ein kleines Virus, winzig und unsichtbar. Eine Gefahr, die ebenso unsichtbar und darum so schwer vorstellbar, so schwer zu begreifen ist. Und wir alle haben manchmal auch Angst vor diesem Schatten. Wie Kinder im Dunkeln, wie Kinder vor dem „schwarzen Mann“, vor einer dunklen, nicht klar erkennbaren aber bedrohlichen Gestalt.

Aber über dem Schatten leuchten die Worte, die auf die Straße geschrieben sind: Gut gemeinte Worte. Mut-mach-Worte. Der Schatten kann sie nicht verdecken…

Mit fiel dazu ein Wort aus dem Psalm 119 ein: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ (Ps 119, 105)

Die Worte, die auf die Straße geschrieben sind, erinnern mich daran, dass GOTT durch sein Wort LICHT in das Dunkel unserer Sorgen und Ängste bringen will und kann. Sein Wort will uns ermutigen und stärken auf unserem Weg. Auch wenn der uns zurzeit oft kurvig und verschlungen vorkommt und wir nicht genau wissen, was uns die nächsten Tage und Wochen bringen werden.

Noch ein anderes Psalmwort leuchtet bei diesen Gedanken vor mir auf: Ein Vers aus dem Psalm 23: „Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.“ (Ps 23, 4)

Mein Vorschlag für diese Tage: Nehmen Sie sich doch einmal einen Bibeltext oder einen Psalm vor (die Psalmen finden Sie auch im Gotteslob). Lesen Sie ihn aufmerksam und in Ruhe und achten Sie ganz bewusst auf die Worte oder Sätze, die für Sie eine Leuchte, ein Licht sein können. Wiederholen Sie diese Worte laut oder schreiben Sie sie sich sogar ab, damit Sie ein „Bild“ davon haben…

Übrigens: GOTT spricht zu uns in menschlichen Worten. Das gilt für die Texte der Bibel. Das gilt aber auch für die guten Worte, die wir im Alltag hören. Darum kann mein Vorschlag in leicht abgewandelter Form auch für diese Worte zutreffen: Fragen Sie sich am Ende eines Tages doch einmal: Wo habe ich heute ein Wort gehört, wer hat mir ein Wort gesagt, das ein kleiner Lichtblick war? Eine freundliche Erinnerung oder ein gut gemeinter Wunsch…

Auch solche Worte könnten Sie sich aufschreiben und sich ein „Bild“ davon bewahren. Und das Beste: Solche Worte können auch Sie anderen sagen oder schreiben!

Ihr Pfarrer Bernward Mnich