Kloster Steterburg

Kloster Steterburg

Der Besuch in einem Kloster ist schon etwas nicht Alltägliches. Mit welchen Erwartungen gehen wir in so eine Begegnung hinein? Wie leben die Mönche dort? Die wohnen doch bestimmt hinter dicken Klostermauern, laufen in langen Gewändern rum und beten nur den ganzen Tag! Zumindest stellen sich viele das so vor. Wir sollten es ganz anders erfahren.

Pater Clemens Freisleben ist der Superior des Redemptoristen Klosters in Salzgitter Thiede. Er ist sozusagen der oberste Verantwortliche für die Ordensbrüder. Er freut sich sehr, als er unsere Gruppe von 17 Ministrantinnen und Ministranten begrüßen darf. Und gleich am Eingang fragt er die Minis, wer von Ihnen den Begriff Redemptoristen erklären kann. Das Wort kommt vom lateinischen „Congregatio Sanctissimi Redemptoris“ – Kongregation vom Heiligsten Erlöser. Die Ordensgemeinschaft wurde 1732 von Alfons Maria von Liguori gegründet.

Wo sind die dicken Klostermauern? Fehlanzeige. Ein zwar großes Gebäude, das sieht aber aus wie alle anderen auch. Und die Mönchsgewänder? Auch Fehlanzeige. Pater Clemens trägt ganz normale Klamotten wie du und ich. Wir müssen schon mal näher schauen, was diese Ordensleute und ihre Gemeinschaft von uns unterscheidet.

Pater Paulus kommt hinzu und wir teilen die Gruppe auf. Eine Gruppe schaut sich zunächst einen interessanten Film an über den Orden, über das Leben des Ordensgründers und welche Höhen und Tiefen die Gemeinschaft zu überstehen hatte.

Alfons von Liguori (1696-1787) stammt aus altem neapolitanischem Adel, ist bereits mit 16  Jahren Doktor beider Rechte und bald ein gefragter Anwalt. 1723 verspürt er in einem Krankenhaus den Ruf Gottes. Er wird viel gefragter Prediger und Beichtvater und widmet sich den Randgruppen der Großstadt. Er beschließt, sein Leben ganz in den Dienst der Armen und Vergessenen zu stellen und gründet am 9. November 1732 in Scala die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen. 1839 wird er heiliggesprochen, 1871 zum Kirchlehrer ernannt, da er in seinem Leben viele theologische Schriften verfasst hat.

Jetzt wissen wir schon etwas mehr. . . .

Pater Clemens hat die erste Gruppe durch die Räumlichkeiten geführt und nun ist die zweite Gruppe dran. Die Offenheit erstaunt uns alle, denn wir werden durch alle Räume geführt, die das Kloster zu bieten hat (außer den Privaträumen natürlich!). Die Minis staunen über die  Bibliothek und die vielen Bücher; wir blicken in ein Gästezimmer, das sehr gemütlich eingerichtet ist und gehen in die kleine Hauskapelle mit den großen bunten Fenstern und den Bildern von Gerd Winner, dessen Motive wir auch aus der St. Albertus Magnus Kirche kennen. Der Altar mit dem eingebauten Tabernakel ist wunderschön.

Wir erfahren sehr viel über das Leben der Ordensbrüder und vor allem, welche Aufgaben sie haben. Denn sie sitzen nicht, wie vermutet, nur im Kloster und beten vor sich hin. Nein, sie sind dort, wo sie hingehören: bei den Menschen. Pater Aperdannier zum Beispiel ist für die Notfallseelsorge im Kreis Salzgitter zuständig sowie als Begleiter für die Mitglieder der Caritas-Konferenzen. Pater Paulus ist oft von Gemeinde angefragt zu Vorträgen und zur Gemeindemission und betreut die Mitglieder der KAB. Superior Clemens Freisleben betreut neben seiner Aufgabe als geistlicher Begleiter für die katholischen Kindergärten die Studenten für Theologie im Fernkurs. Neben dem Kloster befindet sich die Kirche St. Bernward, die zwar zum Bistum Hildesheim gehört, aber von den Redemptoristen seelsorgerisch betreut wird. Pater Engelbert ist hier der Pfarrer. Pater Bernd Finke hat die wichtige Aufgabe der Krankenhausseelsorge übernommen.

Die Ordensleute verschanzen sich also nicht hinter ihren Mauern. Sie sind da, wo die Menschen ihre Unterstützung brauchen: in der Gesprächs- und Beichtstuhlseelsorge und in der Sozial- und Jugendpastoral. Die insgesamt ca. 6000 Mitglieder des Redemptoristen-Ordens leben und arbeiten in über 90 Ländern. Es gibt auch (nicht zu vergessen) ca. 500 Schwestern des Ordens, die in allen Kontinenten vertreten sind.

Unser Rundgang endet so langsam und wir schauen noch draußen auf den kleinen Friedhof der Gemeinschaft mit dem schönen Kreuz und der Pieta. Ein Ort der Ruhe. Wir blicken noch von außen auf die großen Fenster der Kapelle und staunen, dass man aus dieser Perspektive die Farbenpracht gar nicht erkennen kann.

Und so verabschieden wir uns von Pater Clemens Freisleben, dem wir für seine Offenheit und Gastfreundschaft herzlich danken. Es ist doch schon etwas anderes, nur zu wissen, dass es da so ein Kloster mit frommen Menschen gibt, oder mit diesen Menschen eben ins Gespräch zu kommen und dann so herzlich empfangen zu werden. Diese Gemeinschaft lebt in der Gewissheit, dass uns Jesus der Erlöser (lat. Remptor) zum vollen Leben befreit hat und immer neu befreit, dass sich Gott uns immer zuwendet. So einfach ist der Verkündigungsauftrag der Ordensleute, und danach versuchen sie zu leben und hinzuarbeiten; sowohl innerhalb ihrer Gemeinschaft als auch im Dienst an den Menschen, denen sie begegnen.

 

Diakon Pietsch

Februar 2016

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